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Donnerstag, 7. Juni 2018

EuGH: Das ganze Internet ist rechtswidrig!

EuGH

Die Entscheidung C-210/16 des Europäischen Gerichtshofs vom 5. Juni hat alle 282 Millionen Facebooknutzer in der EU zu Verbrechern erklärt. Dazu kommen noch Millionen YouTuber und alle 32 aktiven Mitglieder bei Google Plus. Und natürlich auch die Kunden der aufstrebenden sozialen Netzwerke Knuddels und studiVZ.

Eine dumme Entscheidung von ein paar senilen EU-Richtern, die keine Ahnung von der Lebenswirklichkeit der Menschen von heute haben? „Keinesfalls!“, erklärt uns Jean-Luc Infroissable, stellvertretender Robenbügler beim Europäischen Gerichtshof. „Warten Sie mal die nächsten Urteile ab. Unser Ziel ist gar nicht die Kriminalisierung der Facebooknutzer. Nicht nur. Wir möchten das Leben aller EU-Bürger für rechtswidrig erklären.“

Prima, dann sind wir ja endlich in guter Gesellschaft. Wo sind die Handschellen? „Keine Angst“, so Infroissable weiter. „Die meisten Menschen haben überhaupt nichts zu befürchten. Sie sind illegal, aber bleiben unbehelligt. Wo es keinen Kläger gibt, gibt es auch nichts zu klagen.“

Aber warum dann der ganze Unsinn? Auch hier kennt Jean-Luc Infroissable die Antwort. „Wir haben zu viele EU-Ketzer im Internet. Zu viele kritische Meinungen. Die Tageszeitungen und das Fernsehen geben die politische Linie der Europäischen Union ja ganz gut wieder. Aber das globale Netz konnten wir bisher nur schlecht kontrollieren. Nun, wenn jetzt ohnehin jeder EU-Bürger per Gerichtsurteil auf der Seite des Unrechts steht, dann können wir auch sehr leicht die schwarzen Schafe rauspicken, die sich allzu EU-kritisch äußern. Wer also schön brav bleibt, dem passiert nichts.“

Feindbild-Kartenspiel
Eigenwerbung
Ach so. Das EuGH Urteil und alles, was da noch kommen mag, richtet sich also gegen böse Blogger, Verschwörungstheoretiker und diese ganzen widerwärtigen Satireportale? Recht so! Und die werden jetzt von der EU verklagt? „Wieder falsch geraten!“, berichtigt Monsieur Infroissable. „Dafür haben wir ja jetzt die DSGVO, die neue Datenschutzrichtlinie. Jetzt können Sie nicht nur jede beliebige Firma abmahnen, sondern auch Ihren Nachbarn, der Ihre Telefonnummer in seinem Adressbuch gespeichert hat. Die EU braucht also gar nichts zu tun, das machen die Menschen jetzt von ganz alleine. Jeder kann den anderen bespitzeln, anzeigen, vor Gericht bringen. Wer was Falsches äußert, der fliegt. Ob im Internet oder beim Stammtisch, egal. So wie damals in der guten alten DDR. Nur natürlich viel moderner und cooler. Es geht ja schließlich um den Datenschutz. Und den finden wir doch alle gut, oder?“


Foto (oben): Capri23auto / pixabay.com (CC0 Creative Commons)
Artikel geschrieben von Andreas Mettler - Feindbild-Kartenspiel Illustration: Thalia Brückner

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